Freuen sich auf die Eröffnung des neuen Kunstrasens am 17. Mai: (v.l.) Bürgermeister Carsten Braun, die Strabag-Leute David Wasserfuhr und Nico Herrig, Lothar Gersmann, der die Anlage geplant hat, sowie Bauamtsleiter Frank Grzelachowski
17.12.2019

von Alexander Fischer
Im Höllkopfstadion in Driedorf entsteht ein neuer, umweltbewusster Kunstrasenplatz, frei von Kunststoffgranulat. Welche Rädchen bei Planung, Bau und Umsetzung ineinandergreifen, verrät unsere Reportage.

Driedorf. Die Treffen in dem Container, der nur beschwerlich zu erreichen ist, da im Westerwald bereits Schnee gefallen ist, finden wöchentlich statt. Immer dienstagsmorgens, immer mit belegten Brötchen, immer mit Kaffee. Die Männer, die am Rande des Driedorfer Höllkopfstadions zusammenkommen, ziehen an einem Strang.

Alles Fachleute, die etwas davon verstehen, wie Kunstrasenplätze entstehen. Bürgermeister Carsten Braun und sein Bauamtsleiter Frank Grzelachowski, Lothar Gersmann, der solche Anlagen plant und die Ausführung überwacht, sowie Wirtschaftsingenieur David Wasserfuhr von der Strabag Sportstättenbau aus Dortmund und sein Polier Nico Herrig, der mit drei weiteren Kollegen quasi rund um die Uhr vor Ort ist, da die Männer in weiteren Containern übernachten und nur am Wochenende zu ihren Familien in den Ruhrpott zurückkehren.

„Wann sperren wir die Straße, um die Kabelschächte zu verlegen?“ „Wann ist die nächste Abschlagszahlung fällig?“ „Um wie viel Uhr testen wir kommende Woche die LED-Lichter an den Flutlichtmasten?“ „Wie lange braucht ihr noch für das Pflaster?“ „Liegen alle Versorgungsleitungen?“ Es gibt Fragen über Fragen, ehe das Schmuckstück am Ortseingang der Gemeinde Driedorf am 17. Mai kommenden Jahres mit einem Spiel der Eintracht-Frankfurt-Traditionsmannschaft seiner Bestimmung übergeben werden kann.

„Denkt daran, dass nirgendwo Stolperfallen entstehen“, reißt Carsten Braun (CDU), seit gut drei Jahren als Nachfolger von Dirk Hardt (SPD) im Amt, irgendwann doch einmal das Kommando an sich. Schließlich trägt der 41-Jährige als Oberhaupt von 5437 Driedorfern, die sich auf neun Ortschaften verteilen, die Verantwortung für das Projekt, das die ursprünglich veranschlagten 1,12 Millionen Euro nicht überschreiten wird.

„Auf dem Dorf läuft meistens alles reibungsloser und unverkrampfter ab“, lobt David Wasserfuhr die Zusammenarbeit mit den lokalen Gremien. Der Strabag-Mann weiß, wovon er spricht, er hat in Metropolen schon ganz andere Erfahrungen machen müssen. Und Lothar Gersmann ergänzt: „Wir arbeiten hier richtig gut zusammen. Konnten wir irgendwo etwas einsparen, so haben wir es an anderer Stelle wieder sinnvoll einsetzen können“, so der 62-Jährige, der dem Reporter von der Zeitung zur Ortsbesichtigung gerne seine Gummistiefel zur Verfügung stellt.

Schließlich deutet rund um den im Frühjahr zu verlegenden Kunstrasen noch nicht sehr viel darauf hin, dass in noch nicht einmal einem halben Jahr alles fertig sein wird. Denn noch fehlt eine ganze Menge: Der Kunstrasen, auf dem B-Ligist TuS Driedorf versuchen wird, bald in die eine oder anderen Klasse darüber aufzusteigen. Die Laufbahn, die vor den Auswechselbänken unterhalb der „Wäller Hütte“ vier, an den anderen drei Seiten zwei Bahnen zu Trainingszwecken haben wird. Die Weitsprunggrube. Der Festplatz. Das Kleinspielfeld. Die Stehtribüne. „Keine Sorge, wir liegen im Plan“, lehnt sich Nico Herrig zurück, schnappt sich noch ein halbes Brötchen und krault seinen Bart. Der Polier ruht in sich – er hat schon ganz andere Projekte hinter sich gebracht.

Das Geld, das der Umbau des Höllkopfstadions verschlingen wird, hat die Gemeinde Driedorf fast gänzlich aus eigenen Mitteln bestritten. 100 000 Euro schießt das Land Hessen aus einem Fördertopf für den Bau von Sportstätten hinzu, andere Unterstützer gibt es keine. Dafür aber laut des Bürgermeisters einen breiten Konsens in der Bevölkerung, dass auf einer Höhe von 550 Metern, in der sonst von Oktober bis April kaum Fußball gespielt werden kann, dringend etwas geschehen muss. Für die Aktiven und rund 200 Jugendlichen des Turn- und Sportvereins. Für Leichtathleten. Für Sommer-Biathleten. Für Mountainbiker, die bei ihrem 24-Stunden-Rennen ein Basislager benötigen. Für die Freiwillige Feuerwehr, die das Sportabzeichen abnimmt. Für die rund 600 Schüler der benachbarten Westerwaldschule. Ja selbst für die gut 80 Seniorinnen und Senioren im Haus des Lebens, die künftig bei ihren Spaziergängen die neue Sportanlage miteinbeziehen können.

„Unsere Gemeinde entwickelt sich. Dazu gehört auch eine Sportanlage, die möglichst viele Menschen nutzen können“, ist Carsten Braun stolz auf das Projekt, dessen Planung vor zwei Jahren begann und dessen Baubeginn Ende Juli erfolgte. Fast noch stolzer ist der ehemalige Polizeibeamte allerdings darauf, dass der im Frühjahr zu verlegende künstliche Untergrund frei von jenem Granulat ist, das die Europäische Union im Visier hat, da es die Umwelt sehr belasten soll. In Driedorf entsteht ein Kunstrasenplatz mit Quarzsand unter den gekräuselten Halmen. „So werden künftig alle Plätze aussehen“, klärt Lothar Gersmann auf. „Nachhaltig, gut zu pflegen und von langer Lebensdauer.“

Das Höllkopfstadion ist vor rund 50 Jahren entstanden. „In etwa so lange wollen wir uns auch an dem Umbau erfreuen“, hat Bürgermeister Braun Großes vor in seiner Gemeinde. Und noch einige Treffen in irgendwelchen Containern vor der Brust.
Nächster BeitragRead more articles

Schreibe einen Kommentar

https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_negative.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_scratch.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wacko.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yahoo.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cool.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_heart.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_rose.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_smile.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_whistle3.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yes.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cry.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_mail.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_sad.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_unsure.gif 
https://www.gersmann.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wink.gif